Rückblick: Gemeinde Owingen

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Rückblick bisherige Veranstaltungen

Hier finden Sie Berichte über unsere bisherigen Veranstaltungen und Events:

Vierte Owinger Musiktage

Die 4. Owinger Musiktage waren Balsam für die Seele

Als nach zwei Jahren der Dürre die ersten Saiten-Klänge erwartungsvolle Stille im kultur|o durchbrachen, da war es, als ob Frühlingsknospen durch müdes Erdreich stießen und das Grau der Landschaft in eine üppige, lustvolle Farbenpracht verwandelten. Die Musik des Barockkünstlers Antonio Vivaldi erfreute nicht einfach die Herzen, sondern sie war Balsam für die Zuhörerinnen und Zuhörer, die sich lange nach einem solchen Genuss, nach Aufatmen gesehnt zu haben schienen. 

Möglich machten dies am ersten Abend der dreitägigen Owinger Musiktage die Pianistin Lida Panteleev, Martin Panteleev (Violine), Alexander Dimitrov (Violoncello), Laurent Tardat (Viola), das junge Talent Florentin Schüb (Violine) und ganz besonders der Stargast László Fenyö. Der Professor an der Hochschule für Musik in Karlsruhe gewann vor über 15 Jahren neben vielen anderen Preisen den Internationalen Pablo-Casals-Wettbewerb und ist seither einer der führenden Cellisten seiner Generation. Mehrmals trat er unter der Leitung des berühmten polnischen, vor zwei Jahren verstorbenen Komponisten Krzysztof Penderecki auf. Nun war es dem Künstlerehepaar Lida und Martin Panteleev gelungen, den gefragten Solisten nach Owingen zu holen.

Beim Spiel auf dem Cello des venezianischen Geigenbauers Matteo Goffriller aus dem Jahre 1695 schien László Fenyö mit seinem Instrument regelrecht zu verschmelzen. Beide wirkten wie eine untrennbare Einheit. Und so berauschte Joseph Haydns Cellokonzert No. 1 in C-Dur das Publikum so sehr, dass sich László Fenyö bemüßigt fühlte, unabhängig vom Programm noch Bach zu spielen, „zum Runterkommen“, wie er sagte.

War die erste Halbzeit von barocker Leichtigkeit geprägt, so änderte sich dies nach der Pause mit César Francks Klavierquintett in f-Moll - ein Stück voller Dramatik, voller gegensätzlicher Empfindungen. Vielstimmig, vielschichtig, herausfordernd. Martin Panteleev stellte dem Publikum die Geschichte des Werkes vor, das für den französischen Impressionisten Claude Debussy “die wahre Musik” darstellte, Camille Saint-Saëns dagegen, dem César Franck das Werk widmen wollte, wenig erfreute. Bei der Uraufführung am 17. Januar 1880 in Paris schlug er die Widmung deshalb aus. Die Musiker schälten Francks Wildheit und Zartheit, die Gefühle der Melancholie, Trauer, Zorn und Versöhnung, die die letzten zwei Jahre charakterisierten, so hervorragend heraus, dass das Publikum vielleicht auch deshalb die Darbietung mit starkem Applaus und Bravo-Rufen goutierte.

Endete der erste Abend der Owinger Musiktage mit diesem dramatischen Stück, so begrüßte Martin Pantaleev am nächsten Tag das Publikum mit dem ruhigen, kontemplativen “Ave Maria” von Giulio Caccini aus dem 16. Jahrhundert. Es folgten Mozarts Sonate für Klavier und Violine in G-Dur, das Scherzo Johannes Brahms` und Tschaikowskis „Serenade Melancolique“.

„Das Scherzo ist alles andere als ein Scherz, besonders nicht für das Klavier, das die ganze Struktur durchführen muss“, wies Martin Panteleev auf den musikalischen Anspruch Brahms` hin. Er bedankte sich deshalb unter großem Beifall des Publikums bei Lida Panteleev. Doch auch Martin Panteleevs Stunde kam mit Ravels „Rhapsodie de Concert Tzigane“: „Mit 16 habe ich begonnen, das Stück zu studieren. Heute - zehn Jahre später - muss ich sagen, dass Ravel uns Geigern das Leben ziemlich schwer gemacht hat“, sagte der Künstler humorvoll. 

Der zweite Abend schloss mit Dvoraks Klaviertrio No. 4 op. 90 in e-Moll (Dumky-Trio). Das Wort „Dumky“, so erklärte Panteleev, stamme vom slawischen Wort dumka ab und bedeute „Gedanken“. Und so hielt Dvorak das Dahinfließen von Gedanken mit all den verbundenen Emotionen musikalisch fest, virtuos wiedergegeben von Alexander Dimitrov, Lida und Martin Panteleev. „Die Schönheit des Violoncellos von Alexander können wir im 4. Satz erleben“, erläuterte Panteleev, unter dessen Leitung die Owinger Musiktage standen. Er wies darauf hin, dass Dimitrovs Instrument 1740 von der berühmten Geigenbauerfamilie Testore gebaut wurde. Langanhaltender Applaus zeigte, wie sehr nicht nur Dvoraks Stück das Publikum gefesselt hatte. Gabi Gerdau, ebenfalls Künstlerin, berührte es zutiefst, den nicht enden wollenden Beifall zu hören: „Das haben wir alle viel zu lange entbehren müssen.“

Der Sonntag stand unter anderem im Zeichen des Tangos, stand im Zeichen der Werke Astor Piazollas und Manuel de Fallas. Zum wiederholten Male war Nikola Milo der Einladung der Panteleevs gefolgt. Wie immer überzeugte er mit Akkordeon und Bandoneon. Gefühlvoll spielte Martin Panteleev die „Meditation“ Jules Massenets und erlaubte den Zuhörern, zur Ruhe zu kommen. Sehr viel Beifall erhielt auch Lida Panteleev.

Mit den Worten „Jetzt nähern wir uns dem offiziellen Ende des Konzerts“ leitete der Künstler zu  Béla Bartók über. Er schilderte, wie der ungarische Komponist eines Tages einen Markt besucht hatte und seine Eindrücke in den „Rumänischen Volkstänzen“ festhielt. Anschaulich gab Martin Panteleev mit seiner Geige zunächst das Scharren der Hühner auf dem Markt und das Tapsen eines Bären wieder - so gut, dass Nikola Milo scherzhaft fragte: „Hat dir das der Bartók selber erzählt?“

Ein rumänischer Hochzeitstanz und der bekannte Csárdás des italienischen Komponisten Vittorio Monti als Zugabe tröstete das Publikum vielleicht nur etwas darüber hinweg, dass drei Tage mit wunderbarer Musik zu Ende gegangen waren. Doch die Panteleevs versprachen eines: die 5. Owinger Musiktage im kommenden Jahr.

Sie bedankten sich sowohl bei den Mitgliedern des Owinger Kulturkreises als auch bei den Sponsoren, die die 4. Owinger Musiktage mit ermöglichten: der EnBW, der Sparkasse, dem Ingenieurbüro Gförer, den Innovendia Consulting Services, der Tankservice GmbH Lichtblau sowie Zahntechnik Weber. In diesen Dank bezieht der Owinger Kulturkreis Andrea Benz mit ein, ebenso Daniela Mayer für die Verpflegung der Künstler, Licht- und Tontechniker Klaus Stark sowie den Hausmeister Dirk Bilski.

Der Erfolg der Veranstaltung zeigte: Die Owinger Musiktage haben sich etabliert, sind zu einem Wohlfühl-Faktor geworden.

Das sieht auch Angela Zyla so, eine der zahlreichen begeisterten Gäste. Sie erzählte nach der Vorstellung, dass sie während eines Urlaubes in Sofia ein Weihnachtskonzert besucht hatte. Zutiefst beeindruckt war sie damals von der Kunst Martin Panteleevs, der vor über tausend Zuhörern dirigierte. „Damals war ich in Sofia, und heute muss ich nur von Überlingen nach Owingen fahren, um Martin Panteleev zu hören“, freute sich Angela Zyla.

Angelika Thiel

(Fotos: Roger Ederer, Michael Steinwand - siehe Fotoalbum)

04. November 2021 - "Infusion" mit dem Jazzchor Freiburg, Joo Kraus und anderen

Freiburger Jazzchor therapierte ausgehungerte Ohren mit intensiver Infusion

Als Georg Lenz und Daniela Jage bereits vor Wochen erfuhren, dass der Jazzchor Freiburg zusammen mit Joo Kraus in Owingen auftreten würde, war ihnen eines klar: Da mussten sie hin. Hatten sie erst im Sommer ein Konzert des Ausnahmetrompeters besucht, so wollten sie auch diese Gelegenheit nicht verpassen, ihn fast vor ihrer eigenen Haustür zu erleben.  

„Zu Joo Kraus muss man doch hin. Der zieht“, sagte Georg Lenz mit leuchtenden Augen. Zu seiner Freude betrat der berühmte Musiker gleich als Erster die Bühne im Owinger kultur|o, um das Publikum mit seinem Spiel auf der Trompete auf einen wunderbaren Abend einzustimmen. Jazz aus der Zeit ab 1970 versprach Dirigent Bertrand Gröger. Damals „fusionierte“ Jazz mit Funk und Rockmusik. Man sprach von Fusion oder auch Jazzrock. Daran anknüpfend, führten die Freiburger erstmals vor drei Jahren ihr Programm „Infusion“ auf. Mit der Einarbeitung dieses Themas sei der Chor der Entwicklung voraus gewesen: „Der Titel unseres Programms ´Infusion` passt sehr gut in diese Zeit.“ Und mit Blick auf die gegenwärtige Situation fügte Gröger hinzu: “Wir sind derzeit ja alle ein bisschen ´confused`.“

Doch von dieser Konfusion war im Saal nichts zu spüren. 23 Sängerinnen und Sänger unterhielten die Besucher auf das Beste – furios, abwechslungsreich, spannungsgeladen, atemberaubend, ungewöhnlich. Die Zuhörer genossen mit voller Hingabe die Musik, wie beispielsweise „Cantaloupe Island“ von Herbie Hancock, „Precious Silence“, „Are you going with me“ oder den Song „Pool“, der an den britischen Maler David Hockney und dessen Vorliebe für die Darstellung von Swimmingpools erinnerte. Begleitet wurden die Sängerinnen und Sänger am Klavier von Simone Bollini, Roberto Koch am Kontrabass, dem Schlagzeuger Michael Heidepriem und natürlich immer wieder von Joo Kraus, dem „Stargast“, wie Gröger unterstrich.

„Wir tragen Stücke vor, die es nur instrumental gibt, die extra für uns arrangiert wurden, Lieder, die kein Chor sonst singt. Und so findet auch heute Abend eine Welturaufführung statt. Wir sind selbst gespannt, was jetzt passiert.“ Mit diesen Worten kündigte Gröger „Seven days of falling“ des Esbjörn-Svensson-Trios an. Die schwedische Gruppe war eines der erfolgreichsten Jazz-Formationen, bis der Pianist Esbjörn Svensson mit 44 Jahren an einem Tauchunfall starb.

Für das Publikum stand schnell fest: Diese Welturaufführung des Jazzchors Freiburg war gelungen – ebenso wie die Neuvertonung des Hits „Jóga“ der isländischen Sängerin und Komponistin Björk, den der Pianist Lukas de Rungs für den Freiburger Jazzchor arrangierte – nach Bertrand Gröger „ein völlig irres Stück“. Fühlte sich der Zuhörer zu Beginn an gregorianische Musik erinnert, so änderte sich der Stil des Liedes, brach immer wieder die Erwartung, war voller eigenwilliger Dynamik und Dramatik, ungemein faszinierend von der Solistin Neele Pfleiderer interpretiert.

„When God created the coffeebreak“, als Gott die Kaffeepause erfand, da hätte er sich sicherlich über den Jazzchor, den Pianisten Simone Bollini und Joo Kraus gefreut, der auch als Sänger auftrat. Und erheitert hätte ihn bestimmt auch der musikalische Wettstreit zwischen der Trompete und der Gesangsartistin Maggie Horrer, wer den höchsten Ton zu erzeugen vermag. Anspruchsvoll und bemerkenswert war die Musik; doch ein bekanntes Lied als Zugabe summte manch ein Besucher vielleicht auch auf dem Nachhauseweg noch leise vor sich hin: „Der Mond ist aufgegangen.“

Nicht nur musikalisch boten die Künstler dem Publikum Exzellentes. Jeder Sänger, jede Sängerin trug auf der schwarzen Kleidung ein türkisfarbenes Accessoire, das wie auf einem Suchbild nicht immer leicht zu entdecken war, wie Schuhe, Armbänder, Haarschmuck, ein Einstecktuch, ein Schal, eine Krawatte, eine Fliege.

Die Farbpsychologie weist dem Türkis eine heilsame Wirkung auf Gefühle zu. Vielleicht auch deshalb empfanden Besucher den Abend im kultur|o als wohltuend, wie zum Beispiel Beatrix Röber und Petra Waldbüßer. Ihnen gefiel das Konzert sehr gut. Man merke erst hier, wie sehr man das alles vermisst habe und wie sehr die Ohren endlich wieder etwas Schönes hören wollten. „Das war Balsam für unsere aufgeschürften Corona-Seelen“, fasste Beatrix Röber ihre Empfindung zusammen. Petra Waldbüßer, selbst Chorsängerin und früher auch Chorleiterin, bewunderte die ungewöhnliche, exakte „Präzision im Singen“, die Leichtigkeit des Gesangs und die Singfreude der Freiburger. „Das war ganz speziell, voller elegischer Klänge“, äußerte sich Georg Lenz, der das Zusammenspiel zwischen Chor und Joo Kraus lobte. Daniela Jage genoss die Originalität der Künstler: „Toll, dass sie Instrumentalmusik komplett anders umsetzen.“

Dass ein unvergesslicher Abend im kultur|o möglich war, dafür dankte Bertrand Gröger dem Sponsoring der EnBW. In diesen Dank bezieht der Owinger Kulturkreis Andrea Benz mit ein, ebenso Daniela Mayer für die Verpflegung der Künstler, den Hausmeister Julian Ehrlich sowie den Tontechniker Klaus Stark.

 

Angelika Thiel

(Fotos: Achim Prinz)

10. Oktober 2020 - Von Barock bis Broadway -80 Zuhörer folgen der Einladung des Owinger Kulturkreises auf diese musikalische Zeitreise-

Das Konzert am vergangenen Samstag im kultur|o in Owingen war ein Beweis dafür, dass auch unter den aktuellen Corona-Bedingungen Wohlfühlatmosphäre entstehen kann.

„Auch wenn wir Abstand halten müssen, so verbindet uns doch eine Sache ganz eng miteinander: die Liebe zur Musik“ waren die einleitenden Worte zur Begrüßung der Gäste.

Musikalisch begrüßt wurden die Konzertbesucher von Tommes Rute mit seiner Naturtrompete. Undecima Ricercata Detta l’Albergotti von Girolamo Fantini ist als Eingangsstück zu einem Gottesdienst geschrieben. Deshalb erfolgten auch die ersten beiden Signale hinter der Bühne, um den Effekt des sich Sammelns und zur Ruhe zu kommen zu erzielen.

Es folgte das Concerto in C-Dur für zwei Trompeten, das Doppelkonzert für Piccolo-Trompete von Antonio Vivaldi schlechthin -  interpretiert von Rosa Magdalena Benz und Marcus Müller, am Flügel begleitet von Elena Orlova.

Besondere Aufmerksamkeit erzielte Sonja Dörner mit ihrer Traversflöte mit der „Fantasie“ von Georg Philipp Telemann. Vorwiegend im Barock kommt diese besondere Flöte zum Einsatz, die noch keine Klappen und andere Griffe als die modernen Flöten hat.

Mit Kompositionen von Johann Baptiste Georg Neruda und Carl Philipp Emanuel Bach entführten Tommes Rute – erneut mit der Naturtrompete – und Sonja Dörner mit der Querflöte die Gäste ins 18. Jahrhundert, begleitet am Flügel von Alexander Burdenko.

Vor allem das Allegro die molto beim Flötenkonzert ist eine besondere Herausforderung, die Sonja Dörner charmant meisterte.

Mit der Arie des Papageno „Der Vogelfänger“ aus Mozarts Zauberflöte wurden die Zuhörer in die Pause entlassen.

Im zweiten Konzertteil geleiteten die Musiker die Gäste dann langsam musikalisch in die Neuzeit. „Carmen“ ist ja eh schon eine Oper, in der ein Hit nach dem anderen kommt. In der Fantaisie brillante sur Carmen wurden diese bestens in Szene gesetzt von Francois Borne, wiederum mit Sonja Dörner und ihrer Flöte.

Zu Herzen gingen die Solo-Trompetenstücke von Markus Müller (Concertpiece no. 2 Op. 12 von Vassily Brandt) und Rosa Magdalena Benz (A Song form the Heart von Eric Ewazen), jeweils am Flügel begleitet von Elena Orlova. Besonders beim harmonischen Zusammenspiel von Orlova und Benz merkte man die langjährige Freundschaft und Verbundenheit, hat Benz doch viele Jahre bei Orlova Klavierunterricht gehabt, bevor sie nach Saarbrücken zum Trompetenstudium wechselte.

Eine ganz besondere Klangfarbe erhielt der Entertainer von Scott Joplin durch die Besetzung in der Begleitung mit drei Trompeten und der führenden Stimme mit der Piccolo-Flöte.

Endgültig angekommen auf dem Broadway war man dann mit dem weltweit bekannten Titel „Memory“ aus Cats.

Extra für diese Besetzung und diesen Abend arrangiert hatte Marcus Müller den Bayrischen Abendsegen (trad.), mit dem die Musiker den offiziellen Konzertteil beendeten.

Herzliche Dankesworte, Blumen- und Weinpräsente gingen dann an die Musiker dieses Abends seitens des Owinger Kulturkreises, die sich auf dieses erste Konzert nach der langen Pause eingelassen hatten, und welches man als vollen Erfolg bezeichnen kann.

Dass es auch den Konzertbesuchern gefallen hatte, wurde bei der Forderung nach einer Zugabe deutlich, die die Musiker gerne bedienten. Mit dem Titel „Musik of the Night“ aus dem Musical „Phantom der Oper“ wurden die Gäste dann endgültig verabschiedet.

Dritte Owinger Musiktage im März 2020

Ein Blick ins Paradies: Traumhafte Musiktage
„Das unaussprechlich Innige aller Musik, vermöge dessen sie als ein so ganz vertrautes und doch ewig fernes Paradies an uns vorüberzieht, so ganz verständlich und doch so unerklärlich ist, beruht darauf, daß sie alle Regungen unseres innersten Wesens wiedergibt”, befand einst der Philosoph Arthur Schopenhauer. Doch eher ist die Musik wohl der Weg, der uns einen Hauch vom Paradies vermittelt, dessen wir uns alle archetypisch zu entsinnen scheinen können und dessen Verlust uns schmerzhaft und sehnsuchtsvoll berührt.

Bei den 3. Owinger Musiktagen gelang es den Künstlern unter der Gesamtleitung Martin Panteleevs, die Seele für einen kurzen Augenblick des Paradieses erinnern und sie zur Ruhe der Geborgenheit kommen zu lassen. Dazu trug auch sein eigenes Stück „Archetypen” am ersten Abend bei, das das breite Spektrum menschlicher Emotionen in der spannungsgeladenen Taktart 7/8 atemberaubend wiederspiegelte - vom Zweifel hin zur Verzweiflung, sich erlösend im Glauben. Die Körperlichkeit dieser Empfindungen unterstrichen Alexander Dimitrov (Cello) und Karol Nasilowski (Kontrabass), die mit ihren Instrumenten den Herzschlag, den Puls hörbar machten.

Zuvor hatten bereits Johann Sebastian Bachs „Konzert für zwei Violinen in d-Moll”, Richard Wagners „Siegfried-Idyll” und Pablo Sarasates „Zigeunerweisen” für Begeisterung beim Publikum gesorgt. Großartig das Violinkonzert in e-Moll Felix Mendelssohn Bartholdys, - weich, hinreißend wiedergegeben von Vesko Eschkenazy auf einer Guarneri-des-Gesù-Violine von 1738, wie nie zuvor gehört. Pianistin Lida Panteleev, Martin Panteleev und die Streicher Lukasz Gore-wicz, Emilia Goch Salvador sowie Emanuel Salvador vom Baltic Neopolis Ensemble begleiteten den Ersten Konzertmeister des niederländischen Royal Concertgebouw Orchestra, das zu den besten Orchestern der Welt zählt, so harmonisch, so perfekt, dass es die Herzen anrührte. Noch heute greifen Violinisten wie einst der berühmte „Teufelsgeiger” Niccolò Paganini zu Instrumenten Guarneris - insgesamt hat er etwa 100 Geigen gebaut -, wenn sie den gefühlsstarken Ausdruck suchen: „Der Klang der Stradivari ist ausgeglichener. Der von Amati ist weicher, er erinnert mehr an die menschliche Stimme. Aber der von Guarneri beeindruckt mehr als die anderen”, sagt die italienische Geigenbauerin Elisabetta Giordano. Der Beiname „del Gesù“ wurde Giuseppe Guarneri erst später gegeben, weil er seine Violinen mit dem Christusmonogramm IHS signierte. Und so verzauberte Vesko Eschkenazy, Bruder von Martin Panteleev, mit seinem Spiel ein frenetisch Applaus spendendes Publikum.

Liebeslieder standen am Samstagabend im Mittelpunkt. Etta Scollo lud die Zuhörerinnen und Zuhörer ein, „Sizilianische Träume” zu genießen, heiter, getragen, melancholisch, fröhlich, politisch, begleitet vom Baltic Neopolis Ensemble. Temperamentvoll vermittelte die zierliche Künstlerin die Dichtkunst der sizilianischen Volkssängerin Rosa Balistreris, „unserer Edith Piaf, unserer Maria Callas”, schwärmte die Künstlerin. „Sie war das Leben pur. Wenn sie lachte, lachte die ganze Stadt.” Auch Etta Scollo war ein Magnet des dreitägigen Konzerts im kultur|o. Aus Bayern kommend, nahm ein Ehepaar sogar die Anreise von zwei Stunden auf sich, um die Künstlerin in Owingen zu hören.

Mit Albioni, Torelli und Händel, aber auch Vivaldi stand der Sonntag im Zeichen des Barocks, jener Zeit, in der die Komponisten und Musiker vor allem menschliche Gefühle und Stimmungen ausdrücken wollten, so genannte „Affekte”. Dazu kam ein ganz besonderer Künstler nach Owin-gen: „Einer der weltbesten Trompeter, ein Weltstar” - mit diesen Worten kündigte Komponist und Geiger Martin Panteleev den „Zauberer der goldenen Klänge”, Vicente Campos, an. Und hatte noch untertrieben: Die Emotionen weckte Vicente Campos auf solch starke Weise, dass das Publikum auch zwischen den einzelnen Sätzen nicht an sich halten wollte, sondern seiner großen Begeisterung immer wieder Ausdruck verlieh.
Mit Mozart und einer Eigenkomposition Lida Panteleevs wandte sich der Spätnachmittag im kultur|o dem Klavier zu. Die Künstlerin hatte für ihren Mann ein „Liebeslied” geschrieben. „Sie ist eine begnadete Pianistin”, sagte Martin Panteleev und fügte seinen Worten eine Liebeserklärung hinzu. Wie recht er hatte, das zeigte die Musikerin mit ihrem Spiel auf dem Flügel, das honorierten die Zuhörerinnen und Zuhörer mit einem enthusiastischen Beifall.

Hatten die 3. Owinger Musiktage am Freitagabend mit Barock begonnen, so endeten sie am Sonntag mit der Romantik, die ebenfalls den gefühlvollen Ausdruck betonte. Martin Panteleevs Wiedergabe des Violinsolos „Meditation” aus Jules Massenets Oper „Thaïs” schmiegte sich in das Gehör, erquickte das Herz und legte sich wie Balsam auf die Seele.
Der Künstler dankte nach drei Tagen purer musikalischer Emotionalität dem Publikum für seine nicht enden wollende Begeisterung und stellvertretend für den Owinger Kulturkreis Andrea Benz. Sein Dank galt ganz besonders Bürgermeister Henrik Wengert und dem Gemeinderat, die die Veranstaltung auch für die nächsten zwei Jahre absicherten. Bei dieser Bekanntgabe brandete im Saal stürmischer Applaus auf. Die 4. Owinger Musiktage finden vom 5. bis 7. März 2021 statt.
Ohne Sponsoren wäre dieser musikalisch Hochgenuss nicht möglich gewesen. Der Kulturkreis dankt der EnBW Baden-Württemberg AG, den Innovendia Consulting Services, der KreditMa-nufaktur Bodensee, dem Planungsbüro Gfrörer, der Sparkasse Bodensee, Zahntechnik Weber sowie dem Ingenieurbüro Reckmann sehr herzlich.
Der Dank gilt ebenfalls Daniela Mayer, die sich mit Köstlichkeiten des leiblichen Wohls der Künstler annahm, dem Männerchor Owingen-Billafingen für die Bewirtung sowie Ton- und Licht-Techniker Klaus Stark und Julian Ehrlich für die tatkräftige Unterstützung.

Angelika Thiel
(Bilder: Klaus Schielke, Michael Steinwand)

Festliches Neujahrskonzert im Januar 2020

Festliches Neujahrskonzert mit der Birnauer Kantorei

Das Festliche Neujahrskonzert ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil der Veranstaltungen des Owinger Kulturkreises geworden. Für 2020 konnte hierfür die Birnauer Kantorei gewonnen werden. Den Kontakt hat Raimund Grüner, selbst einige Jahre Mitglied im Owinger Kulturkreis gewesen, und Sänger bei der Birnauer Kantorei, hergestellt.

Unter Leitung von Professor Thomas Gropper kam geistliche und weltliche Musik zur Aufführung. Auf dem Programm standen Klassiker wie das Halleluja aus Georg Friedrich Händels „Messias“, Choräle aus dem Weihnachtsoratorium von J. S. Bach, aber auch Arien aus Nabucco, Tannhäuser oder La Traviata. Als Solisten waren Susanne Winter (Sopran) und Mirjam Kirschten am Klavier zu hören.

Hollywood-Glamour in Owingen - November 2019

The See Sisters nahmen das Publikum mit in die legendäre Ära des Swing und versetzen den gesamten Saal mit ihrem closed harmony-Satzgesang in die Zeit der mitreißenden Musik der 30er und 40er Jahre.

Mit Eleganz, Witz und einer ordentlichen Prise Beschwingtheit entführen die Mädels und Jungs ihr Publikum in die rauchigen Keller der ersten Jazzkneipen und auf die großen Bühnen des Hollywoodglamours und bezauberten im Stil der Andrew Sisters, des Gipsy Jazz und Vintage-Swing – mit viel Retro-Feeling.

Jacky (Janine Firges), Grace (Siggi Juhas), Peggy (Dagmar Egger) und ihre Brüder Mr. Lobitone (Lothar Binder) an der Gitarre und Mr. Hucksley (Hartmut Heinzelmann) am Bass entführten in eine längst vergangene Zeit.

Von den begeisterten Gästen gab es nicht nur für die stimmlich bestens harmonierenden und überzeugenden Sängerinnen Szenenapplaus, sondern auch für die an ihren Instrumenten brillierenden Musiker! Eine tolle Stimmung zauberten die Licht- und Tontechniker jeweils passend zur Musik auf die Bühne, und verliehen der Show das berühmte „Tüpfelchen auf dem i“.

Erst nach mehrfachen Zugaben und mit dem Versprechen, wieder nach Owingen zu kommen, entließen die Zuschauer die Musiker von der Bühne.

Helge und das Udo "Läuft!" - Oktober 2019

Seit 18 Jahren treten das Comedy-Duo „Helge und das Udo“ auf, zurzeit mit ihrem sechsten Programm „Läuft!“ Und es läuft, wie der Norddeutsche Helge Thun und der Schwabe Udo Zepezauer im Kultur O am Samstag bewiesen haben.
Mit eine temporeiche Mischung aus urkomischen Sketchen, intelligentem Wortwitz, zungenbrecherische Sprachakrobatik und herrliche Gesangs- und Tanzeinlagen strapazierten sie fast ununterbrochen die Lachmuskeln der Zuschauer.

Jens Wimmers Boogie-Trio - September 2019

Owingen - das New Orleans am Bodensee
Für Jens Wimmers ist es nur ein Zufall. „Der Boogie-Woogie fand seinen Beginn in Lousiana, in New Orleans. Genauso gut hätte Owingen der Entstehungsort sein können”, sagte der Pianist aus Franken. „Das eine liegt am Mississippi, das andere am Bodensee. Wo ist der Unterschied”, fuhr er fort und erweckte mit seiner philosophischen Frage Heiterkeit beim Publikum.

Und wer war sonst noch bei uns?

Herrn Stumpfes Zieh- und Zupfkapelle, Landesjugendjazzorchester, Bernd Kohlhepp, Walter Fröhlich, Elster Silberflug, Kabarett Volksdampf ... in den vergangenen Jahren sind so viele Künstler bei uns zu Gast gewesen - diese alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Jedenfalls war es bisher eine bunte Mischung aus bekannten Fernsehgrößen wie z. B. Gerd Dudenhöffer, Markus Maria Profitlich und Alfred Heizmann (der leider bereits verstorben ist). Dazu auch großartige Künstler aus der Nachbarschaft wie Die Kleine Oper am See, die Birnauer Kantorei, der Gemischte Chor Heiligenberg und die Candys.  Oft in Kombination mit Musikern, die auf den großen Bühnen der Welt zu Hause sind. Unter anderem gastierten bei uns der Pianist Derek Han, Professor Vicente Campos und Vesko Eschkenazy. In regelmäßigen Abständen ist bei uns auch der Jazzchor Freiburg zu Gast, die Chambers aus Köln, Uli Böttcher und  andere. Durch viele gemeinsame Veranstaltungen haben wir eine besondere Verbindung zur Pianistin Elena Orlova und ihrer ganzen musikalsichen Familie sowie zu dem Künstlerehepaar Lida und Martin Panteleev, die musikalisch verantwortlich zeichnen für die Owinger Musiktage.